Was für eine Wende im Finale der Hillegossen Open: Jannis Jung vom TC Herford (Deutsche Rangliste 440) hat sich den Turniersieg gesichert – und dabei ein Endspiel gewonnen, das zwischenzeitlich bereits nach einem klaren Erfolg für seinen Gegner Jan Golenia (Deutsche Rangliste 386) aussah. Der an Nummer drei gesetzte Spieler aus Gieboldehausen führte zu Beginn des Finales bereits mit 5:0. Doch dann drehte Jung die Partie komplett und gewann schließlich mit 7:5 und 6:2.
Es war der Moment, der dem Finale eine ganz besondere Dramaturgie gab. Golenia startete furios, während Jung zunächst kaum ein Mittel gegen das strategische Spiel seines Gegenübers fand. Beim Stand von 5:0 schien der erste Satz praktisch entschieden. Doch Jung gab sich nicht geschlagen. Punkt für Punkt arbeitete sich der in Herford spielende Bielefelder zurück in die Partie.
Was zunächst wie eine Formsache aussah, entwickelte sich zur spektakulären Aufholjagd. Jung gewann neun Spiele in Folge, drehte den ersten Satz noch mit 7:5 und nahm diesen Schwung anschließend mit in den zweiten Durchgang. Dort ließ er Golenia nicht mehr zurück ins Match und machte mit 6:2 den Turniersieg perfekt.
Damit setzte Jung zugleich ein Ausrufezeichen in einem stark besetzten Feld. Der Weg ins Finale war bereits anspruchsvoll gewesen: In der ersten Runde setzte er sich mit 4:6, 6:3 und 10:8 gegen Jona Heinemann vom TV Espelkamp-Mittwald durch. Anschließend bezwang er Tom Welter (TC Neheim) und Alexander Kopp (TC Herford), ehe er im Halbfinale gegen Yannick Sauer, die Nummer vier der Setzliste vom Braunschweiger THC, mit 6:3 und 6:4 siegte.
Für eine Überraschung sorgten die Hillegossen Open bereits früh mit dem Aus der beiden Topgesetzten. Tim Kohl, Nummer 173 des deutschen Rangliste, verlor gegen Alexander Kopp mit 6:7 und 5:7. Auch für die Nummer zwei, Nikita Persov vom Braunschweiger THC, war vorzeitig Schluss: Er unterlag Dinko Panzic vom Gütersloher TC RW 7:6 und 7:6.
So entwickelte sich das Turnier zu einer offenen Angelegenheit – mit Jung als dem Mann, der im entscheidenden Moment die größte Widerstandskraft zeigte. „So ein Finale wünscht man sich als Turnierleiter natürlich. Wenn ein Spieler mit 0:5 zurückliegt und das Match anschließend noch dreht, zeigt das, was im Tennis möglich ist“, fasste Turnierdirektor Tobias Wengert das Finale zusammen. „Jannis hat sich den Bedingungen angepasst, sein Spiel umgestellt und den Zuschauern großen Kampfgeist geliefert.“
Im Mittelpunkt stand neben dem Sport natürlich auch der große Pokal. Er war das sichtbare Ziel der Teilnehmer und wanderte nach einem bemerkenswerten Finale nun in die Hände des Herforder Turniersiegers. Für Jung dürfte dieser Erfolg angesichts des zwischenzeitlichen 0:5-Rückstands noch lange in Erinnerung bleiben.
Auch für den Gastgeber TuS Einigkeit Hillegossen war das Turnier damit ein gelungener Höhepunkt des Tennis-Sommers. Und der Blick geht bereits auf das nächste Jahr: Dann feiert die Tennisabteilung des TuS Einigkeit Hillegossen ihr 50-jähriges Bestehen. Nach einem spektakulären Finale 2026 darf man gespannt sein, was sich die Verantwortlichen zum runden Geburtstag einfallen lassen. Eines steht schon jetzt fest: Die Hillegossen Open haben 2026 eine Geschichte geliefert, die man so schnell nicht vergisst.


